Informationen und Bürgerbeteiligung zur kommunalen Wärmeplanung in Parkstetten
Großes Interesse herrschte bei der Bürgerinformationsveranstaltung der Gemeinde Parkstetten am 25.02.2026 im Vereinsheim des RSV Parkstettens im Sportzentrum. Bürgermeister Martin Panten konnte zahlreiche Bürgerinnen und Bürger begrüßen, die die Gelegenheit nutzten, sich aus erster Hand über die Erkenntnisse aus der kommunalen Wärmeplanung zur künftigen Wärmeversorgung im Gemeindegebiet zu informieren.
Hintergrund der Veranstaltung ist die im Jahr 2023 von der damaligen Bundesregierung beschlossene Gesetzesnovelle zur Wärmewende. Der kommunalen Wärmeplanung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Sie soll Städten und Gemeinden eine qualifizierte, nachvollziehbare Grundlage bieten, um Privatleuten und Unternehmen Perspektiven für eine klimafreundliche Wärmeversorgung – etwa durch mögliche Wärmenetze – aufzuzeigen.
Im Sommer 2025 machte sich die Gemeinde auf den Weg, gemeinsam mit dem beauftragten Planungsbüro ACHHAMMER engineering GmbH aus Barbing einen kommunalen Wärmeplan zu erarbeiten. Gefördert wird das Projekt aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags durch Zuwendungen des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative.
Der offizielle Startschuss fiel am 13.08.2025 mit einem sogenannten Kick-off-Termin. Danach folgten weitere Arbeitstreffen zwischen Planungsbüro, Gemeindeverwaltung und örtlichen Akteuren, in denen die Details ausgearbeitet wurden. So brachten unter anderem auch der zuständige Bezirkskaminkehrer und Vertreter der Energiegenossenschaft Reibersdorf sowie der SER Stadtentwässerung und Straßenreinigung Straubing ihre Einschätzungen, Erfahrungen und Ideen in die Planung mit ein.
Bereits am 12.02.2026 stellte Umweltingenieur Simon Achhammer die weitgehend finalisierten Ergebnisse im Gemeinderat vor, der diese einstimmig annahm. In der Bürgerinformationsveranstaltung präsentierte er nun diese vorläufigen Resultate der Öffentlichkeit.
Die kommunale Wärmeplanung gliedert sich in mehrere Bausteine. Am Anfang stand eine detaillierte Bestandsanalyse, die unter anderem auf dem bereits durch die Gemeinde durchgeführten Vitalitäts-Check zur örtlichen Infrastruktur aufbaute. Diese zeigt: 53 Prozent der Wohngebäude im Gemeindegebiet sind bereits älter als 35 Jahre und damit potenziell energetisch zu sanieren. Mit Ausnahme vom Gemeindeteil Reibersdorf, in dem bereits ein Nahwärmenetz vorhanden ist, werden diese Gebäude überwiegend dezentral mit Wärme versorgt. Der jährliche Nutzwärmebedarf für alle Gebäudearten liegt derzeit bei rund 36.000 Megawattstunden. Etwa 65 Prozent davon werden noch durch fossile Energieträger gedeckt. Diese sind für einen überwältigenden Großteil des wärmebedingten CO₂-Ausstoßes von insgesamt rund 8.860 Tonnen pro Jahr in Parkstetten verantwortlich.
Die angestrebte Klimaneutralität bis 2045 sei angesichts dieses Ausgangszustands ambitioniert, aber erreichbar, so Achhammer. Voraussetzung sei, dass Parkstetten und seine Bürgerinnen und Bürger die vorhandenen Potenziale nutzen. So könnte der Nutzwärmebedarf durch Sanierungen am Gebäudebestand und den Austausch fossiler Heizungen zugunsten klimafreundlicher Alternativen um 7.000 bis 10.000 Megawattstunden pro Jahr reduziert werden. Um den verbleibenden Wärmebedarf decken zu können, wären in Parkstetten diverse erneuerbare Energiequellen grundsätzlich nutzbar, so die Ergebnisse der weiteren Potenzialanalyse.
Abschließend werden alle Erkenntnisse in einen Zielszenario gebündelt und Strategien zur Umsetzung aufgezeigt. In Steckbriefen werden konkrete Maßnahmen beschrieben, die bei der Erreichung der Klimaziele vor Ort helfen sollen.
So könnte etwa eine stärkere Vernetzung mit regionalen Beratungsstellen wie C.A.R.M.E.N. e. V. oder dem Technologie- und Förderzentrum (TFZ) erfolgen, um Bürgerinnen und Bürger gezielt zu informieren. Auch technische Ansätze müssten geprüft werden: Beispielsweise könnte die Nutzung von Abwasserwärme aus der Kläranlage in Reibersdorf für das dortige Nahwärmenetz perspektivisch sinnvoll sein, was jedoch noch einer detaillierten Machbarkeitsprüfung bedarf.
Am bedeutendsten für die Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer ist aber wohl die Frage, ob sie in der Zukunft damit rechnen können, dass ihr Gebäude an ein Wärmenetz angeschlossen werden kann. Für den Großteil der Haushalte in Parkstetten ist die Antwort eindeutig: nach aller Wahrscheinlichkeit werden hier weiterhin dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen oder Pelletheizungen erforderlich sein. Eine flächendeckende Versorgung des gesamten Gemeindegebiets über ein Nahwärmenetz sei unrealistisch. Allerdings weist der Wärmeplan im Bereich „Parkstetten-Mitte“, einem Gebiet mit rund 260 Gebäuden im Umkreis der Schule, zumindest ein sogenanntes Wärmenetz-Prüfgebiet aus. Das bedeutet, dass die Rahmenbedingungen für den Aufbau eines Wärmenetzes hier grundsätzlich günstig wären. Ob dort aber tatsächlich ein wirtschaftlicher Netzaufbau möglich sein wird, müssten potenzielle Netzbetreiber im nächsten Schritt vertieft untersuchen.
Bürgerinnen und Bürger, die weitere Ideen oder Anregungen zum Thema haben, die berücksichtigt werden sollten, können diese noch bis zum 24.03.2026 bei der Gemeindeverwaltung einreichen. Der finale Abschlussbericht mit allen Details wird nach Beschlussfassung im Gemeinderat voraussichtlich im April auf der Homepage der Gemeinde Parkstetten veröffentlicht werden.
Zum Schluss der Informationsveranstaltung stellten Bürgermeister Martin Panten und Simon Achhammer nochmals klar, dass der kommunale Wärmeplan der Gemeinde Parkstetten eine strategische Leitlinie darstellt. Eine Verpflichtung zum Heizungstausch ergibt sich daraus nicht. Maßgeblich bleiben allein die gesetzlichen Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG).


Großes Zuhörerinteresse bei der Infoveranstaltung zur Kommunalen Wärmeplanung der Gemeinde Parkstetten im Vereinsheim des RSV Parkstetten.





