Das Wappen des Bundestags hängt nun auch im Rathauseingang
Der Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer, MdB, überreichte Bürgermeister Martin Panten am Montagvormittag, 31. August 2026, persönlich ein noch ausstehendes Erinnerungsgeschenk anlässlich seines Besuchs beim Gründungsfest der Parkstettener Feuerwehr. Beim Fest hatte der Minister alle seine vorrätigen Geschenke bereits verteilt und versprochen, ein Glaswappen für das Rathaus nachzureichen. Martin Panten hatte ihn darum gebeten, dieses per Post zu senden, damit es im Rathauseingang neben denen der Gemeinde, des Landkreises und des Freistaats Bayern angebracht werden kann.
Als nun der Bundesminister einen halbstündigen Besuch im Rathaus zum Meinungsaustausch ankündigte, war die Überraschung daher groß. Kindergartenkinder haben ihn vor dem Rathaus mit einem Lied begrüßt. Im Sitzungssaal fanden daraufhin Gespräche zwischen dem Ersten Bürgermeister Martin Panten, den weiteren Bürgermeistern Franz Listl und Thomas Friedl sowie mehreren Mitgliedern des Gemeinderates und Bediensteten der Gemeinde mit dem Minister statt, in denen aktuelle Angelegenheiten der Gemeinde sowie politische Ereignisse erörtert wurden. Die geplante Zuckersteuer, die geschlossene Biogasanlage der Familie Braun in Roithof und die allgemeine Stimmung im Land waren die wichtigsten Themen.
Überdies gab Alois Rainer dabei interessante Einblicke in sein Ministeramt, private Angelegenheiten und Ereignisse im Hintergrund der großen Politik. „Mir tut es in der Seele weh, wenn ich stillgelegte Biogasanlagen sehe“, sagte Rainer. Schlecht sei im Parkstettener Fall, dass es in der Nähe der Anlage in Roithof keine überörtliche Gasleitung gebe. „Könnte man alle Biogasanlagen zusammenschließen, so wäre möglicherweise die Hälfte der geplanten Gaskraftwerke überflüssig“, mutmaßte der Minister. In seinem Ministerium habe man vieles auf dem Schirm, versprechen könne er derzeit allerdings nichts. In der Energieversorgung reden mehrere Ministerien und viele Fachleute mit, sagte er. Rainer führte die Auseinandersetzung um die geplante Zuckersteuer zwischen dem Landwirtschaftsministerium und dem Finanzministerium als ein Beispiel dafür an, wie Themen in der Presse übertrieben dargestellt werden. Als „Streit“ habe das die „Bild“-Zeitung betitelt, sagte Rainer. Das stimme nicht, es seien gute Gespräche gewesen und das Finanzministerium habe schließlich eingesehen, dass es mit den ursprünglich geplanten steuerlichen Vorgaben zu weit gegangen sei, und habe vieles davon zurückgenommen. Er werde nun der geänderten Zuckersteuer schweren Herzens zustimmen müssen.
Dienstwagen als Büro
Einblicke gab Rainer auch in den Alltag eines Ministers. Während des letzten Jahres sei er in seinem Dienstwagen in ganz Deutschland über 100.000 Kilometer zu Terminen unterwegs gewesen. Nach den Büros in Berlin und Haibach sei dieser seine dritte ständige Arbeitsstätte. Bei nahezu jeder Fahrt warteten im Auto zahlreiche Akten darauf, gelesen und bearbeitet zu werden. Es sei erforderlich, dass man während der Fahrt lesen und sich konzentrieren könne, sagte er. Da sei ein guter Chauffeur enorm wichtig. Nicht selten komme es vor, dass er bei einem Anruf von zu Hause auf die Frage, wo er sei, mit „Irgendwo in Deutschland“ antworten müsse, da er keine Zeit habe, bei Fahrten auf die Umgebung zu schauen.
Unsachgemäße Beschimpfungen
Kürzlich sei er bei einem Fest von zwei Männern unflätig beschimpft worden, sodass seine Sicherheitsleute einschreiten wollten, teilte Rainer mit. Als er diese Männer fragte, ob es ihnen so schlecht gehe, bekam er zur Antwort: „Nein, aber bestimmte Leute bekommen alles.“ Dies deute darauf hin, dass eine Menge Neid und Unwissen vorliege. Obwohl es der Mehrheit in Deutschland noch nie so gut gegangen sei, wie heute, werde Weltuntergangsstimmung geschürt. Als weiteres Beispiel nannte er Bitterfeld in Ostdeutschland. Das sei die mit Abstand schmutzigste Stadt in Deutschland gewesen. Heute befinde sich dort eine lebenswerte Gegend. Alles schlechtzureden sei derzeit in bestimmten Kreisen groß in Mode, war die Meinung des Ministers. Natürlich gebe es in der Politik immer viel zu tun, sagte er.
Vorzeigebetriebe
Bürgermeister Panten brachte die Parkstettener Betriebe Eskusa in Unterparkstetten und Stahl in Fischerdorf als gelungene Entwicklungen moderner Landwirtschaft ins Gespräch. Eskusa sei führend in der Züchtung von Löwenzahn zur Gummiherstellung und Christian Stahl baue auf großen Flächen Gewürzkräuter und andere verschiedene Pflanzen zur Arzneimittelherstellung an. Der Minister antwortete auf die Frage, wie er zu Saatkrähen, Ottern, Bibern und Wölfen stehe: „Niemand möchte diese Tiere ausrotten, aber um finanzielle Belastungen und Schäden in Grenzen zu halten, müssten ihre Populationen auf einer vernünftigen Zahl gehalten werden.“
Arbeit ohne Theater
Unter Teilnehmern des Gesprächs herrschte die Ansicht, dass Alois Rainer in seiner erst kurzen Amtszeit für Landwirte ohne viel „Tam-Tam“ bereits viel erreicht hat. So wurden verschiedene pingelige Nachweispflichten gelockert oder gestrichen, Übergangsfristen für Stallumbauten geräuschlos verlängert, Agrardiesel weiterhin steuerermäßigt, der Wolf ins Jagdgesetz aufgenommen und vieles mehr.









