ABWASSER-INNOVATIONSPREIS 2022 FÜR INTERKOMMUNALES PROJEKT VERLIEHEN

Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz verleiht alle zwei Jahre den Abwasser-Innovationspreis. Obwohl in Bayern die Erschließung mit öffentlichen Kanälen und die Reinigung des Abwassers nach dem Stand der Technik nahezu abgeschlossen ist, stehen zukünftig die Sanierung der rund 2.500 Kläranlagen und mehrerer 1.000 Kilometer Kanalnetz im Fokus. Mit dem Innovationspreis will der Freistaat Bayern die Entwicklung und den Einsatz innovativer Technologien und Verfahren fördern.

Am 08.12.2022 wurde im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz die diesjährige Preisverleihung durch Herrn Staatsminister Thorsten Glauber durchgeführt.

In seinem Grußwort betonte er, dass mit dem Innovationspreis die Abwasserentsorgung und damit die kommunale Leistung, die als selbstverständlich betrachtet wird, ins Rampenlicht gestellt wird.

Bei der Abwasserentsorgung geht es um nicht weniger als den Erhalt einer der wertvollsten Einrichtungen einer Kommune. Damit das Netz der Daseinsvorsorge auch in Zukunft verlässlich funktioniert, braucht es neben ausreichendem Finanzmittel auch gute Ideen, modernste Technik und neue Modelle der Zusammenarbeit. Dabei betont er auch, dass wir in Bayern trotz der enormen Herausforderungen wie z.B. mit den Unsicherheiten bei der Energieversorgung, den Folgen des Kriegs, dem Klimawandel, den immer häufig auftretenden Wetterextremen, Inflation und Lieferengpässen die Wasserver- und Abwasserentsorgung auf sichere Füße stellen müssen, ohne dabei Abstriche in der Qualität hinzunehmen. Der Erhalt dieser Infrastruktur wird zunehmend zu einer Herkulesaufgabe.

Um die Dimension vor Augen zu führen: Allein die öffentlichen Leitungslängen in Bayern für Wasser- und Abwasser würden eine 5malige Erdumrundung erreichen. 36 Milliarden Euro haben allein die Kommunen für die Abwasseranlagen in den letzten 50 Jahren investiert.

Staatsminister Thorsten Glauber mit den Verwaltungsräten der Trägerkommunen des gKU Abwasserdienstleistung Donau-Wald und Vorstand Johann Buchmeier sowie Mitglieder der Jury und Vertreter der Fachbehörden sowie des Staatsministeriums

Als Fan des Abwasserinnovationspreises sieht Staatsminister Glauber den erforderlichen Schwung verbunden mit zwei großen Chancen. Mit dem Preis werden zum einen Kreativität und Innovationskraft honoriert und können mit der Förderung diese innovativen Projekte umgesetzt werden. Zum anderen werden mit der Verleihung des Preises Leuchtturmprojekte bayernweit bekanntgemacht und somit anderen Kommunen Blaupausen zum Nachmachen geliefert.

Nur ein Projekt wurde in diesem Jahr von der siebenköpfigen Fachjury aus Wissenschaft und Verwaltung aus den eingegangenen Bewerbungen ausgewählt. Eine schwere Aufgabe, so Staatsminister Glauber, da die Jury hier eine große Verantwortung annimmt.

In seiner Laudatio gratulierte Staatsminister Glauber dem gemeinsamen Kommunalunternehmen (gKU) Abwasserdienstleistung Donau-Wald als diesjährigen und einzigen Preisträger. Nach Feststellung der Jury ist das Projekt innovativ, bündelt Knowhow und Ressourcen und fördert die interkommunale Zusammenarbeit. Er selbst konnte sich bei seinen Besuchen in der Gründungsphase sowie am 06.10.2021 in Niederwinkling davon überzeugen.

Bemerkenswert ist die landkreisübergreifende Zusammenarbeit der 17 Kommunen aus den Landkreisen Straubing-Bogen und Deggendorf. Mit dabei sind die Gemeinden Bernried, Offenberg und der Markt Metten aus dem Landkreis Deggendorf sowie die Gemeinden Falkenfels, Haselbach, Kirchroth, Leiblfing, Mariaposching, der Markt Mitterfels, Niederwinkling, Parkstetten, Perasdorf, Perkam, Rattiszell, der Markt Schwarzach, Steinach und Wiesenfelden aus dem Landkreis Straubing-Bogen. Das Gebiet umfasst rund 48.000 Einwohner und ein Kanalnetz über 700 km Länge. Leistungsschwerpunkt des gKU Abwasserdienstleistung Donau-Wald ist die Unterstützung der Gemeinden bei der ressourcenschonenden Kanal-Reinigung, -inspektion und -sanierung. Mit den eingesetzten Mitteln wird der Sanierungsbedarf festgestellt und ein entsprechendes Sanierungskonzept erarbeitet. Mögliche Synergien bei der gemeinschaftlichen Planung der Schadensbehebung können dann auch effektiv umgesetzt werden.

Darüber hinaus umfasst das Leitungsangebot in Form eines Baukastenprinzips auch die Unterstützung im Bereich der Bauleitplanung, beim Wasserrecht sowie im Bereich des Hochwasserrisikomanagements. Staatsminister Glauber hob besonders den innovativen Gedanken des Projektes und die Übertragbarkeit auf andere Gemeinden hervor.

Es handelt sich hier nicht um eine Anlagenplanung, sondern vielmehr um die Schaffung einer Organisations- und Betriebsstruktur zur Kanalinstandhaltung in ländlichen Räumen. Die interkommunale Zusammenarbeit ist für kleinere Gemeinden im ländlichen Raum bei vielfältigen Herausforderungen (Mobilitätswende, Klimaschutz, Bevölkerungsentwicklung, Ressourcenschutz und Umweltschutz) sinnvoll.

Aufgrund der kleinteiligen Struktur der Abwasserentsorgung in Bayern und der immer knapper werdenden Personal- und Finanzressourcen ist ein Zusammenschluss von Betreibern zu größeren Einheiten zu begrüßen. Der Zusammenschluss zu dem gKU Abwasserdienstleistung Donau-Wald ist ein positives Beispiel für eine Vielzahl von Gemeinden, um Kanalsysteme professionell und effizient und dennoch in Eigenregie zu betreiben.

Von links nach rechts: Johann Buchmeier, Vorstand gKU Abwasserdienstleistung Donau-Wald; Staatsminister Thorsten Glauber, Verwaltungsratsvorsitzender Ludwig Waas, Vorstand KU Niederwinkling Christian Pfeffer

Dafür erhält das gKU Abwasserdienstleistung Donau-Wald Fördermittel in Höhe von 60 % der Erstausstattung, maximal 400.000 €. Mit der Überreichung der Urkunde an den Vorstand des gKU Abwasserdienstleistung Donau-Wald, Johann Buchmeier, sowie an die 17 beteiligten Gemeinden, vertreten durch ihre 1. Bürgermeister, bedankte sich Staatsminister Glauber für den Innovationsgedanken, die Bereitschaft neue Wege zu gehen und den Beitrag zu einem guten und sicheren Leben in Bayern.

Anschließend bedankte sich Verwaltungsratsvorsitzender des gKU Abwasserdienstleistung Donau-Wald und 1.  Bürgermeister der Sitzgemeinde Niederwinkling Ludwig Waas im Namen seiner Bürgermeisterkollegkollegen bei Staatsminister Thorsten Glauber und den zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Ministerium, bei der Regierung von Niederbayern, namentlich bei Regierungspräsident Rainer Haselbeck, bei den zuständigen Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter des Wasserwirtschaftsamtes Deggendorf, insbesondere bei Herrn Michael Franz, sowie beim Bayerischen Gemeindetag. Hier insbesondere bei der Stellvertreterin des Geschäftsführenden Präsidialmitglieds Dr. Juliane Thimet und Direktor Dr. Andreas Gaß, für die sehr konstruktive, vertrauensvolle und fachliche Begleitung und Unterstützung bei diesem Projekt. Diese Fachstellen waren stets mit Rat und Tat zur Stelle und haben ihren gewichtigen Teil dazu beigetragen. Begleitet wurde der Gründungsprozess von Christian Pfeffer, dem Vorstand des bereits existieren Kommunalunternehmens Niederwinkling, dass das gkU Abwasserdienstleistung Donau-Wald verwaltungstechnisch betreut.

Mit Vorstand Hans Buchmeier habe das gKU Abwasserdienstleistung Donau-Wald auch einen sehr kompetenten und motivierten Vorstand gefunden, der mit seinem Knowhow und Fachwissen, seinen Ideen und Visionen eine nicht wegzudenkende Stütze ist. Ein sehr großer Dank gehe natürlich an die 17 Trägerkommunen mit ihren Bürgermeistern sowie den jeweiligen Gemeinderäten, die diese Interkommunale Zusammenarbeit mit ihrer Bereitschaft und ihrem Vertrauen überhaupt erst möglich gemacht haben.

Text: Christian Pfeffer, Kommunalunternehmen Niederwinkling
Fotos: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz