Das KULTURmobil gastierte in Parkstetten

Bei bestem Sommerwetter ließen sich rund 300 Gäste die beiden Aufführungen des KULTURMobils des Bezirks Niederbayern am früheren und späteren Abend im Mehrgenerationenpark am Rathaus nicht entgehen.

1. Bürgermeister Martin Panten freute sich in seinen beiden kurzen Begrüßungen über ein so großes Interesse beim jungen und älteren Publikum, welches nicht nur aus Parkstetten kam, sondern auch aus dem ganzen Landkreis. Er bedankte sich bei den beiden Kultursprechern der Gemeinde Peter Seubert und Jörg Bachinger für ihre Initiative, beim gemeindlichen Bauhof und der Rathausverwaltung für die Organisation, sowie bei der Jugendfeuerwehr Parkstetten und dem Catering-Service Alexander Baumann für die Bewirtung.

Im Kinderstück um 17 Uhr freuten sich viele Kinder zusammen mit ihren Eltern, Großeltern und Familien über „Die Geschichte vom Un-Geheuer“. Einer Geschichte über die Suche nach Anerkennung und Freundschaft. Der Erzähler (Johannes Schön) will die Geschichte des Ungeheuers zum Besten geben, doch seine Titelfigur hat andere Pläne. Das eigensinnige, blau-bunte Ungeheuer (Eva Gottschaller) hat nämlich ein viel größeres Problem als den bevormundenden Erzähler: Naturgemäß nehmen alle Menschen vor ihm Reißaus und es hat keine Freunde, die Schach mit ihm spielen, Waffeln essen oder in die Oper gehen. Um das zu ändern, beschließt es seine Vorsilbe loszuwerden und versucht sein „Un“ dem Trödler (Laura Trischkat in allen anderen Rollen) anzudrehen oder der strickenden Nachbarin. Am Ende kommt natürlich alles ganz anders. Begeistert hing das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute des 50-minüten Stücks am hervorragenden Spiel der Figuren und sang und tanzte mit.

Nicht nur in Berlin oder in München wird derzeit das erfolgreiche Stück „Extrawurst“ gespielt, sondern auch vom Ensemble des KULTURmobils in Parkstetten, so der Einstieg in den Theaterabend um 20 Uhr. Die 90-minütige satirische Vereinsposse bot ein Theatererlebnis der besonderen Art. In hochpointierten Dialogen thematisiert die Komödie Fragen der Toleranz und Leitkultur. „Extrawurst“ ist eine Komödie mit Abgründen, die zeigt, wie sich eine harmlose Diskussion verselbstständigt. Das Publikum ist als Teil der Mitgliederversammlung eines Tennisclub selbst Teil der Handlung und wird immer wieder vom Vorsitzenden des Clubs (Peter Kempkes) zu Abstimmungen und Reaktionen aufgefordert. Dadurch ist es selbst Teil der Handlung und kann den Fortgang des Stücks selbst beeinflussen. Auf der Mitgliederversammlung des Tennisvereins ist die Abstimmung über den Kauf eines neuen Grills eigentlich nur als reine Formsache unter dem Punkt „Sonstiges“ gedacht. Dann schlägt die Doppelpartnerin (Lina Maria Spieth) des einzigen türkischstämmigen Vereinsmitglieds ( Kolja Heiß) vor, für ihn doch einen eigenen Grill anzuschaffen, weil er als gläubiger Muslim seine Grillwürste nicht zusammen mit Schweinefleisch auf einen Rost legen darf. Schnell zeigt sich, dass es um mehr als nur um einen neuen Grill geht. Ihr intellektuell-weltgewandeter eifersüchtiger Ehemann (Julius Bornmann) und der 2. Vorsitzende des Vereins (Stefan Voglhuber) sowie alle anderen handelnden Personen zeigen in den intensiven Diskussionen viele ihrer bisher verborgenen und unerkannten Einstellungen und Meinungen. Als Publikum bzw. Versammlungsmitglied muss man in dieser Eskalation der Argumente, der Handgreiflichkeiten und des Sarkasmus seine Sympathien und Antipathien sowie auch seine eigene Einstellung zu Integration und Toleranz gegenüber Migrantinnen und Migranten ständig wieder neu überprüfen, so direkt und hintergründig fliegen die Argumente zwischen den handelnden Personen hin und her. Das Ende bleibt offen, genauso wie die Zukunft des Tennisvereins.

Seit nunmehr 25 Jahren reist das KULTURMobil durch ganz Niederbayern und gastierte dabei mit über 700 Vorstellungen in über 160 Gemeinden, was mehrere 100.000 Zuschauer bei jeweils freiem Eintritt erleben durften. Der Bezirk Niederbayern und die jeweiligen Gemeinden finanzieren und unterstützen dabei dieses kulturelle Angebot.